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Das Thema Club- und Festivalkultur kommt in der Landespolitik an


Screenshot: Auszug des Antrags mit Link zur Quelle "www.landtag-niedersachsen.de"; zuletzt geprüft am 20.07.20

Als erste Fraktion im niedersächsischen Landtag widmen sich Bündnis 90/Die Grünen der Club- und Festivalkultur in dieser Form. Ihr Antrag "Förderung der Club- und Festivalkultur - nicht nur unter Corona" wurde als Drucksache 18/6680 bereits im Juni veröffentlicht (Link siehe Screenshot).

Am Dienstag, den 21.7.20 ab 11 Uhr laden wir vom KlubNetz e.V. zusammen mit den Grünen im Landtag zum Pressetermin „Musik-Clubs in Not – Konzertkultur in Niedersachsen braucht dringend Unterstützung“ in den Kulturpalast Linden, Deisterstraße 24, Hannover.

Eva Viehoff (Abgeordnete der Grünen und kulturpolitische Sprecherin) und Gunnar Geßner (Vorsitzender KlubNetz e.V.) gehen auf die Inhalte des Antrags und Fragen zur Lage der Kulturstätten ein. Um die aktuell erforderlichen Abstandsregeln wahren zu können, bitten wir um eine formlose Anmeldung an: "buero ÄT klubnetz.de".

Die Club- und Festivalkultur ist ein Hybrid, der in Kultur, Wirtschaft und Sozialem verwurzelt ist. Diese Mehrdimensionalität macht sie so vielfältig und so wichtig für ein modernes Land.

Viele Clubs und Livemusikspielstätten agieren im Grenzkostenbereich. Große finanzielle Polster bauen sich nicht auf, sie sind deshalb im Alltag schon klein und flexibel: Tür-Deals mit Künstler*innen, selbstständige Techniker*innen, die mit den Bands anreisen, kleine Teams mit sehr hohem Anteil an 450 €-Kräften und kein Kündigungsschutz, kaum langfristige große Investitionen mit entsprechenden Kreditverpflichtungen. Das macht die Erstanpassung an die Krise – auch dank der Unterstützung durch die verschiedenen Nothilfen, Programme und Kurzarbeitergeld – einfach, das heißt aber auch, dass die Situation insgesamt fragil ist und schnell in ein Aussterben der Clubkultur münden kann.

Eine Erfahrung der letzten Jahre ist, dass wenn ein Club geschlossen wird, er für immer zu bleibt und damit auch die entsprechende Immobilie für die Musik verloren ist. Neue Spielstätten entstehen kaum, da der Aufwand im Vergleich zur zu erwartenden Rendite zu gering ist. Hier besteht also eine strukturelle Gefahr, die struktureller langfristiger Hilfe bedarf.

In den kleinen Clubs findet (leider nahezu unentgeltlich, denn getrieben aus kultureller Leidenschaft) die Forschung und Entwicklung der Musikbranche statt. Hier entstehen die musikalischen Trends, hier lernen besondere Künstler*innen ihren Umgang mit einem Publikum, hier werden aber auch Trends in Mode und Design geprägt.

Die Bereiche der Branche, denen es gut geht (bzw. ging – bis Corona kam), sind damit langfristig ebenfalls in Gefahr. Konzerte und Festivals mit tausenden Besucher*innen begründen ihre Attraktivität in einem Programm mit starken Künstler*innen.

In Stadt und Land bietet die Vielfalt kultureller Angebote für diverse Lebensentwürfe und Identitäten erst die Lebensqualität, die in einer modernen Gesellschaft nötig ist. „Da ist nichts los“ ist eine Aussage, die ganze Gegenden in Verruf bringen kann. Die Graswurzelkultur ist ein kulturelles Grundrauschen, ohne das es ganz leise wird – auch wirtschaftlich, denn die Attraktivität einer Region spiegelt sich im Wettbewerb um Fachkräfte.

Jede Dimension der Club- und Festivalkultur, die kulturelle, wirtschaftliche und soziale, hat ihre Bedeutung in unserer komplexen, vernetzten und agilen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Sie muss die Krise überleben.

Gunnar Geßner (Vorstand Klubnetz): „Die Corona-Krise wurde schon als „Naturkatastrophe in Zeitlupe“ bezeichnet. Ganz ähnlich fühlt es sich für die Club- und Festivalkultur an. Das heißt auch, dass es uns noch lange beschäftigen wird. Die bisherige Unterstützung hat schon geholfen, aber sie wird angesichts der Dauer der Einschränkungen für die Clubkultur nicht ausreichen.“

Spenden & Förderungen könnten die Klubs sichern

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Private Spenden helfen den Klubs - Foto: KlubNetz 2020

Der Grund des Treffens von Klub- und Pressevertreter*innen am 13. Juli in Hannover ist besorgniserregend: Die weiterhin skurrile Corona-Situation gefährdet in erster Linie unsere Gesundheit. Die Maßnahmen, die erforderlich sind um unsere Gesundheit zu schützen, wiederum gefährden die Existenz von Einrichtungen, die unser Leben lebenswerter machen.

Der Anlass des besagten Treffens ist dagegen als reine Momentaufnahme äußerst erfreulich: Auf Initiative des lokalen Plattenladens Rockers Records beteiligten sich hunderte Anwohner*innen sowie weitere Menschen über Hannovers Region hinaus bei einer Rock’n’Roll Tombola. Die Erlöse wurden nun zu 100% den Livespielstätten gespendet. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie sich Privatpersonen im ganzen Bundesland unterstützend einbringen. Und das, obwohl viele privat ebenfalls unverschuldet in finanzielle Schieflage geraten sind.

Wir vom KlubNetz engagieren uns als der niedersächsische Verband der Konzertkulturschaffenden ebenfalls für die Livekonzertveranstalter*innen und zählen selbst zu diesen. Wir wissen, dass die Akteur*innen in den Klubs nicht durch Gewinnmaximierung und Profit motiviert werden. Die Programminhalte stellen den Antrieb dar. Es wird dabei quasi von Natur aus am Rande der wirtschaftlichen Machbarkeit gearbeitet. Seltene Ersparnisse werden zumeist direkt wieder in erforderliche Baumaßnahmen oder waghalsige Bookings investiert. Waghalsig, da die Künstler*innen zumeist noch dabei sind einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden und somit anfangs keine kosteneffizienten Konzerte möglich sind.
Umso kritischer ist die Perspektive für die Kulturstätten dieser sogenannten "Grassroot-Konzerte", die durch die COVID-19-Pandemie als erste schließen und vermutlich als letzte wieder wirtschaften können. Trotz vielfältiger Förderungen sind die meisten Klubs unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Und sind sie einmal Insolvent, ist eine Neugründung unter aktuellen bau- und steuerrechtlichen Bedingungen sehr unwahrscheinlich.
Die Relevanz dieser Kulturstätten für die Gesellschaft haben sowohl Bevölkerung als auch Politik erkannt. Neben ersten staatlichen Maßnahmen waren es primär die Gäste und Musikliebhaber*innen, die mit ihrer Solidarität und Spenden bisher die Grundlage für "ihre" Klubs sicherten. Diese Orte sind schließlich nicht "nur" ihre Anlaufstation für laute Musik und Getränke. Die Klubs schaffen Raum für soziale und kulturelle Interaktion und sind zudem der Arbeitsplatz für viele Menschen. Dabei hängt alles zusammen - vom Klubpersonal oder Festivalteam hin zu den Techniker*innen bis zu den Läden für Musikinstrumente, Kartenvorverkauf und eben den Plattenläden.
Freundeskreise und Gemeinschaften definieren sich durch diese Szenen und ihre Lieblingslocations. So wurden schon viele Bands und natürlich auch Beziehungen an der Theke begründet. Erste Erfahrungen in Veranstaltungsorganisation wurden gemacht, die Auftritte der Band von Freund*innen oder sogar der eigenen Kapelle wurden gefeiert und teilweise große musikalische Karrieren gestartet. Dabei strahlen die Spielstätten oft weit über ihre jeweilige Region hinaus - auch dank der vielen nationalen und internationalen Künstler*innen, welche eingeladen werden konnten.

"Diese Relevanz der Kulturstätten zieht sich durch viele Schichten und Altersklassen. Neben den Livekonzerten könnt ihr in Klubs vom Schulbandworkshop über Studipartys bis zu Hochzeiten oder Klassentreffen alles mögliche erleben, was als gesellschaftlicher Anlass dient… zumindest falls die Klubs auch nach Corona noch existieren", so der ehrenamtliche Geschäftsführer des KlubNetz David Lampe. Dank der zahlreichen privaten Spender*innen der letzten Wochen ist zumindest ein weiterer Schritt dafür getan. Doch ohne umsetzbare Verordnungen und Förderzusagen seitens der Politik sehen die Konzertveranstalter*innen keine Zukunft. Denn der Betrieb mit Gästezahlen unterhalb der eigentlichen Raumkapazität ist bei fast allen Klubs leider nicht annähernd rentabel.

Damit wir uns alle auch in Zukunft in den Kulturstätten treffen können um zu reden, zu tanzen, zu feiern und zu philosophieren… um uns auszutauschen, inspiriert zu werden und mit Freund*innen FREUDE zu erleben… dafür setzen wir uns auch weiterhin ein.
Hoffentlich bis bald in den Klubs!
Euer KlubNetz-Team

KlubNetz Digital - die Onlinetagung am 30. Juni 2020 - JETZT ANMELDEN

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Bei KlubNetz Digital gibt es die Gelegenheit des Austauschs mit anderen Veranstalter*innen unseres Bundeslandes über aktuelle Entwicklungen der Szene und Perspektiven für die Zukunft. Diese kostenlose Onlinetagung wird mit der Unterstützung des Studiengangs Veranstaltungsmanagement der Hochschule Hannover umgesetzt. Sie findet am 30.6.20 via ZOOM von 14:00 bis 17:00 Uhr statt.
Melde Dich direkt an: www.umfrageonline.com/s/KlubNetzDigital

Mit der Initiative popNDS die Popularmusik stärken

Als KlubNetz haben wir das große Ganze im Blick. Ziel ist es, die gesellschaftliche Bedeutung von Klubs und Festivals auf allen Ebenen herauszuarbeiten und damit die Popularmusik zu unterstützen. Um ihr gesamtes kulturelles und wirtschaftliches Potenzial zur Entfaltung zu bringen, engagieren wir uns daher in Kooperation mit LAG Rock, Musikland Nieder­sachsen, Landes­musik­akademie Niedersachsen und Landesmusikrat Niedersachsen für die gemeinsame Initiative popNDS.

Mit popNDS haben wir ein umfassendes Programm entwickelt, das in sechs Schwerpunkte gegliedert ist: Sichtbarkeit, Qualifizierung, Austausch, Know-how-Transfer, brancheninterne und branchenübergreifende Vernetzung der Akteur*innen sollen gesteigert sowie Künstler*innen und Spielstätten gezielt gefördert werden.

Dank der Unterstützung der Initiative Musik können im Jahr 2020 erste Maßnahmen mit dem Schwerpunkt Künstler*innenförderung umgesetzt werden. Alle Informationen zum geplanten Qualifizierungsprogramm, Meet-ups und einer Produktionsförderung für Künstler*innen findet ihr demnächst auf der Seite von popNDS. Wir halten euch natürlich auch über unsere Kanäle auf dem Laufenden!

Link: pop-nds.de

Auswirkungen des Coronavirus auf Klubs und Festivals

Bedingt durch das Coronavirus erleben wir eine Ausnahmesituation: Social Distancing, die räumliche Distanzierung zwischen uns Menschen, soll als Maßnahme zur Bewältigung der Krise helfen. Dies traf und trifft in erster Instanz (Kultur-) Veranstaltungen. Sowohl Klubs als auch Festivals sind wichtige Orte des zwischenmenschlichen Zusammentreffens. Das KlubNetz Niedersachsen und der Bundesverband LiveKomm setzen sich für die Interessen dieser Spielstätten aktuell umso energischer ein.
Denn auch ohne Pandemie wirken Kulturvereine und kleine Veranstalter*innen zumeist am Limit des wirtschaftlich Möglichen. Ohne Gewinne und Rücklagen droht schon mit wenigen abgesagten oder verlegten Veranstaltungen die Insolvenz. Dies trifft neben den Veranstaltenden viele weitere Beteiligte, wie Mitarbeitende, Techniker*innen und natürlich die Künstler*innen.

In den Klubs herrscht seit Mitte März erdrückende Stille, während hinter den Kulissen versucht wird die Institutionen zu retten. Telefonate, Onlinekonferenzen und überfüllte E-Mail-Postkästen bestimmen den Arbeitsalltag. Unsere Newsletter für die niedersächsischen Vereinsmitglieder bieten stets den aktuellsten Überblick. Für weitere Informationen empfehlen und danken wir den Kolleg*innen vom Bundesverband LiveKomm - lasst uns bald wieder gesund und munter zur Livemusik treffen!

Folgender Link bietet euch das LiveKomm-FAQ zu Rechtsfragen zur aktuellen Situation: www.livemusikkommission.de/arbeitskreise/corona-info-ticker/faqs-antworten-auf-rechtsfragen-auf-die-auswirkungen-des-corona-virus-auf-den-veranstaltungsbetrieb/

Antrag zum Förderprogramm "Live 100" bis zum 23. Februar 2020 möglich

Förderanträge für "Live 100" sind ab sofort möglich! Mit dem Programm der Initiative Musik in Kooperation mit unserem Bundesverband LiveKomm werden "Grassroot-Konzerte" des Jahres 2020 unterstützt, sofern bis spätestens zum 23.2.2020 ein Antrag gestellt wurde. Genauere Informationen finden sich auf der Internetseite der Initiative Musik: www.initiative-musik.de/foerderprogramme/live100/

Februar 2020: KlubNetz beim Fachtag Spielstätten und Festivals

Auf dem Fachtag Spielstätten und Festivals treffen am 7. und 8. Februar 2020 die Konzertveranstalter*innen Niedersachsens in Delmenhorst zusammen. Die Organisator*innen von Musikland Niedersachsen bieten an diesen zwei Tagen die wertvolle Gelegenheit des Austauschs und der Vertiefung von praxisrelevanten Themen. Am besten gleich unter folgendem Link anmelden!

mehr dazu auf der Seite von Musikland Niedersachsen...

März 2019: Fachtag Festivals

Foto: Gunnar Geßner, Fotograf: http://www.helgekrueckeberg.de
Gunnar Geßner (1. Vorsitzender) - Fotograf: Helge Krückeberg (www.helgekrueckeberg.de)

Für die Interessen von Festivals stand unser 1. Vorsitzender Gunnar Geßner beim „Fachtag Festivals“ im März 2019 Rede und Antwort. Auf der zweitägigen Veranstaltung von Musikland Niedersachsen tauschten sich über 50 Veranstalter*innen aus Niedersachsen über die vielfältigen Themen aus, welche die Festivalszene bewegen: Programmgestaltung, Medienpräsenz, Fördermöglichkeiten oder auch die rechtlichen Aspekte von Beschäftigungsverhältnissen. Diese und weitere Themen wurden in Vorträgen, Workshops und Diskussionen vertieft. 

Ein weiterer Schwerpunkt war das Netzwerken, bei dem sich einige der anwesenden Akteure erstmals begegneten. Aus intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden sind Ideen für gemeinsame Projekte und Kooperationsmöglichkeiten erwachsen, von denen erste schon für die bevorstehende Festivalsaison angedacht sind. Wir freuen uns über diese zunehmende Vernetzung der niedersächsischen Festivals auch innerhalb der Verbandsstrukturen des Klubnetz.

Eine Dokumentation des Fachtag Festivals ist auf der Internetseite von Musikland Niedersachsen verfügbar.